Wer sich im Internet und vor allem in den sozialen Medien herumtreibt, liest tagtäglich etwas über Beauty Tips, Clean Eating, Fitness Trends, Fashion Highlights, Pflege- und Styling Produkte und was sonst noch so der letzte Schrei ist.

Sicher mag das für den ein oder anderen teilweise hilfreich sein, aber sind wir doch mal ehrlich, oftmals entsteht dadurch ein ungutes Gefühl, ja fast schon ein Druck, dem man scheinbar kaum standhalten kann. Vor allem diejenigen, die laut Massenmedien nicht der Perfektion nahe sind. Und das, meine Lieben, ist ja wohl niemand so wirklich. Ok, es gibt da diese wenigen Frauen, die von Natur aus schön sind und dazu noch nett und im „schlimmsten Fall“ auch noch schlau – ja, genau, diejenigen, die man eigentlich hassen möchte, aber nicht kann, weil sie eben so nett sind. 😉

 

Aber zurück zum Thema:

Ich habe vor 11 Wochen ganz planmäßig nach den üblichen 40 Wochen Schwangerschaft ein perfektes kleines Wesen geboren. Schon vor der Schwangerschaft entsprach ich nicht dem 90-60-90 Ideal, mag daran liegen, dass ich sowieso noch nie der „Schlanke-Typ“ war. Essen ist für mich als Halbitalienerin quasi eine Religion. Sport hingegen eher der Belzebub. So pendele ich größentechnisch eigentlich immer irgendwo so um die 40/42 rum. Ganz selten mal bei ner 38 und ab und an auch mal in Richtung 44. Kurz nach der Geburt passte ich schon fast wieder perfekt in meine Klamotten – bis ich anfing, zum Stillen gerne auch mal ein Schokolädchen zu essen. Dann noch entsprechend ernähren, damit auch die Milchproduktion angeregt wird und zack bin ich bei einer ordentlichen 44/46 angelangt. Eigentlich nicht schlimm und nach meiner Schwangerschaft mehr als im Rahmen, aber dennoch macht man sich so seine Gedanken. Werde ich bis zur Sommersaison in meine Klamotten passen? Soll ich dann überhaupt noch einen Bikini im Schwimmbad anziehen? Werde ich auf meinen Hochzeitsfotos aussehen wie eine Dampfwalze? Doch warum frage ich mich das alles? Ist es nicht scheiß egal in Anbetracht der Tatsache, dass ich gerade erst schwanger war? Ich fühle mich auch nicht gänzlich schlecht mit den paar Kilos mehr. Sicherlich fühle ich mich wohler, wenn ich ohne nachzudenken in jedes Kleidungsstück in meinem Schrank hüpfen kann ohne Speckrollen kaschieren zu müssen… aber woher kommt dieses „sich schlecht fühlen“ eigentlich? Angeboren ist es wohl nicht!

Selbst die vermeintlich schönen Menschen (Männlein, wie Weiblein), die die Titelseiten dieser Welt zieren und uns in dieser schönen, tollen, makellosen Welt der Massenmedien quasi minütlich vorgeführt werden, selbst die sind nicht perfekt. Blickt man mal hinter die Kulissen, wird da geschummelt, retuschiert, wegoperiert und geschönt, um die perfekte Illusion zu kreieren.

Als Normalsterblicher sitzt man dann oft da und quält sich mit dem Gedanken, wie man wohl die letzten 5 Kilo noch verliert, obwohl man eigentlich keinen Bock mehr auf Diät hat oder der Körper sich weigert, leichter zu werden. Klar gibt es da draußen den Xten Fitnesstipp und Personen mit dämlichem Grinsen schauen einen von doofen Plakaten an und wollen suggerieren, dass es ja so einfach ist, wenn man es nur will. (Ehrlich gesagt, muss ich mir da nur meine FB-Stream oder Instagram Account anschauen, wenn ich diese nie enden wollenden Gym-Fotos sehen will). Versteht mich nicht falsch – jeder nach seiner Facon! Und ja, man kann einiges erreichen, wenn man es nur will. Vieles ist tatsächlich Kopfsache und faule Ausreden bleiben faule Ausreden. Aber ganz Ehrlich? Schönheit liegt im Auge des Betrachters und dieser Betrachter (der hoffentlich Du selbst bist!) sollte sich nicht an irgendwelche Idealen messen müssen, die ihm vielleicht gar nicht stehen.

Bodyshaming ist der Begriff für das, was in dieser ach so zivilisierten Welt vor sich geht. Egal, ob zu dünn oder zu dick, zu groß, zu klein, zu ungesund, zu sportlich – irgendwas scheint immer NICHT RICHTIG.

Lasst Euch nichts einreden! Ihr müsst Euch wohlfühlen! Ihr bestimmt, wer Ihr seid und was Ihr wollt und was Eurem Körper gut tut. Wie Ihr aussehen wollt.

 

Klar, manchmal gibt es Gründe, warum man beispielsweise Sport machen muss. Während ich so hierüber sinnierte, postete Victoria Van Violence einen sehr passenden Beitrag (https://www.facebook.com/Victoria.van.Violence/posts/1284095214937417:0) zu genau diesem Thema mit einem Foto, welches viele bestimmt nicht veröffentlicht hätten. Gerade diejenigen, die sonst nur nahe der Perfektion abgebildet werden nämlich. Ich finde Victoria großartig. Sie hat Prinzipien und setzt sich dafür ein, sei es zum Thema Tierschutz, Veganismus, Punkrock oder eben Sport, bzw Bodyshaming. Sie ist eine großartige Frau, die stetig an sich arbeitet und versucht ein Zeichen zu setzen, um diese Welt jeden Tag ein kleines bisschen besser zu machen. Außerdem ist sie eine der wenigen Veganerinnen, die ich Fleischfresserin kenne, die nicht unnötig mit ihren Ernährungspostings maßregelt, klugscheißt oder belehrt. Nie von oben herab, immer informativ und mit Hintergrundwissen, sodass ich gerne lese, was wirklich so los ist in manchen Bereichen. JA, auch zum Thema Tierleid, obwohl das so durchgenudelt wirkt. Meiner Meinung nach eben weil so viele sich nur durch das Niedermachen anderer profilieren wollen.

 

Ein anderes Beispiel ist Tess Holliday (www.facebook.com/TessHollidayOfficial). Ob man ihre Körperfülle nun schön findet oder nicht, ob das gesund oder eher lebensgefährlich ist – das sei alles mal dahin gestellt! Wer traut sich denn mit einer Konfektionsgröße über 44 wirklich, so an die Öffentlichkeit zu gehen? Da wird’s schon schwierig. Dass sie das mit weit mehr als 44 tut und auf diese Art und Weise, erfordert Mut! Und meiner Meinung nach Respekt!

 

Warum ich gerade jetzt so einen emotionalen Erguss niederschreibe?

Eben weil ich mal wieder an mir zweifle, wie ich es immer wieder tue. In regelmäßigen Abständen gibt man sich ja doch diesem Wahn hin – mal mehr, mal weniger. Man vergisst, worauf es einem wirklich ankommt und schaut sich nach all den schönen Menschen um. Orientiert sich viel zu oft an Oberflächlichkeiten.

Sicher, ich habe Orangenhaut, bin laut irgendwelchen schlauen Tabellen übergewichtig, habe eine enorme Zahnlücke (auf die ich übrigens stolz bin), Oberschenkel, die es mir an heißen Sommertagen unmöglich machen, einfach mal so ohne was drunter ein Kleidchen an zu ziehen, weil ich mir sonst den sprichwörtlichen Wolf laufe und ich habe Schwangerschaftsstreifen von Gewichtsschwankungen und zwei ausgetragenen Kindern. Meine vorlaute Art und das temperamentvolle Wesen mal außen vor gelassen 😉

Aber genau das macht mich aus! Ich bin ich, mir geht es gut und mein Leben ist genau richtig, so wie es ist. Das ist mir wieder einmal bewusst geworden, als ich vorhin mit der Kleinen auf dem Arm im Zimmer meines fast 6-jährigen stand. Er liebt Sarah Connor’s Song „Wie schön Du bist“. Nein, das ist nicht Rock’n’Roll, aber ich muss meinem Sohnemann durchaus guten Geschmack attestieren, denn der Text sagt genau das, was ich hier sagen will. Wir befinden uns also in seinem Zimmer, tanzen und schmettern uns freudestrahlend die Zeilen entgegen „…Weißt Du denn gar nicht, wie schön Du bist? Mit all Deinen Farben und all Deinen Narben…“ (ich zitiere hier frei). Die Wärme in den Augen meines Sohnes, wenn er diese Zeilen aus vollem Herzen für mich singt, macht mich fertig. Ich stehe da, habe Pipi inne Augen und denke nur – genau das sind die Momente, die zählen. Mit zwei gesunden Kindern diesen Moment genießen und drauf scheißen, ob auf der Waage jetzt 5/ 10/ 15 Kilo mehr oder weniger stehen!

Das ist nicht immer leicht und man muss es sich oft ganz bewusst nochmal vor Augen führen. Ich jedenfalls bin stolz auf das, was ich habe. Unser wildes „Zigeunerleben“, darauf, dass wir eben oftmals die travelling freak show sind und auf die zwei gesunden, glücklichen Kinder, die ich unterm Herzen getragen habe. Auch, weil der Mann an meiner Seite mich dann immer wieder in den Arm nimmt, wenn ich das mal wieder nicht sehen kann und mir sagt, dass meine Schwangerschaftsstreifen eine Geschichte erzählen, die uns miteinander verbindet und mich für ihn noch attraktiver machen, weil jede Tigermama nunmal eben Streifen hat.

 

Ich wünsche mir, dass wir alle viel öfter diesen klaren Blick auf das Wesentliche haben und ich hoffe, dass Ihr alle denjenigen habt oder noch finden werdet, der Euch an der Hand nimmt und Euch genau das richtige sagt, wenn ihr mal wieder zweifelt.

 

Schönheit ist keine Frage der Kleidergröße oder der Makel! Sei wer Du sein möchtest und scheiß drauf, ob andere denken, dass Du zu dünn, zu dick oder was auch immer bist! <3

Dann darf es auch gerne ein bisschen mehr sein. Von was, das entscheidest Du: Gewicht, Sport, Essen, PMA… Ich gehe mich jetzt mal aufraffen – ein wenig mehr Sport tut mir gut! 😉