Arbeiten, wie andere Partys feiern – gibt’s nicht? Doooch, heute möchte ich euch einmal einen Überblick über den ganz normalen Alltag unserer sehr guten Freunde Dirk (aka The Pixeleye) Behlau und Jessica Hierschbiel präsentieren. So verbinden wir so oft wie möglich Arbeit, Freizeit und Party mit den drei Hierschlau-Teufelskerlen! 🙂

 

Kustom Kulture Jetset

oder: Wie eine Familie auf Reisen geht

 

Keine Angst, ich werde Euch jetzt nicht von den Geißens berichten – dafür gibt es ja „glücklicherweise“ schon das TV Format. Nein, ich werde auch keinen vermeintlichen Ohrwurm vorträllern, den man eigentlich hasst, der es aber irgendwie schafft, sich immer wieder in die Ohrmuschel zu schleichen, um sich dort gerne für mehrere Tage ein zu nisten. Viel mehr will ich Euch davon berichten, wie es ist, wenn man sprichwörtlich sein Hobby zum Beruf gemacht hat und im Namen der Kustom Kulture unterwegs ist.

After Small Time Crooks videoshoot with Schorem

Unsere Saison beginnt etwa im April und endet gegen Oktober, dazwischen passiert zwar auch viel, aber von Frühjahr bis Herbst sind wir quasi fahrendes Volk. Wir, das bin ich mit meinem „Lebensabschnittsgefährten“ Dirk (ich kann dieses Wort ja nicht ausstehen und habe durchaus vor mit ihm mehr als nur einen Lebensabschnitt zu verbringen, aber wir leben in wilder Ehe und für „mein Freund“ fühle ich mich definitiv zu alt :D) und unser inzwischen 4-jähriger Sohn Q. 2013 waren wir in diesen Monaten genau vier Wochenenden zu Hause ohne Pläne zu haben und einfach mal abpimmeln zu können, wie es unsere Freundin Carmen nennen würde. 2014 sieht das nicht viel anders aus.

„Was tun die denn da?“ wird sich der ein oder andere jetzt fragen. Ganz einfach: arbeiten! Dirk (Behlau aka The Pixeleye) hat sich in den letzten zehn Jahren einen Namen als Fotograf und Designer gemacht und dreht darüber hinaus Imagefilme und Musikvideos für internationale Bands. Ich bin Moderatorin und Journalistin und wann immer es geht, fahren wir zusammen auf Events, auf denen ich durch’s Programm führe oder über die ich Artikel für das Tattoo Kulture Magazine schreibe und er die dazugehörigen Fotos macht. Manchmal begleite ich ihn auch auf Drehs oder Photoshootings und assistiere ihm. Sofern möglich nehmen wir Q mit. Meistens ist das kein Problem, da er von klein auf dabei war, ein total entspanntes Kind ist und selbst großen Spaß an Kustom Cars, Hot Rods, Moppeds und Mopars hat. Nicht umsonst war sein allererstes Wort (bevor er Mama oder Papa gesagt hat) „Auto“, mit knapp zwei Jahren lief er schon durch die Straßen und benannte jede Automarke inklusive Modell und kurz darauf erklärte er seinen Großeltern, dass das kein Oldtimer, sondern ein Kustom Car ist. Inzwischen kennt er sich mit Fahrzeugen besser aus als wir beide zusammen.

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So richtig los geht es eigentlich mit der Tattoo Ink Explosion in Mönchengladbach jeden März, die ich von der ersten Ausgabe an moderiere, danach reiht sich eine Veranstaltung an die nächste. Von Tattoo Conventions über kleine und große Konzerte, Kustom Car Shows und Festivals bis hin zu Open House Partys (im Deutschen würde man vermutlich Tag der offenen Tür sagen, was diesen Festen aber nicht im Ansatz gerecht werden würde, denkt man allein an das Jokerfest von Thunderbike, zu dem jedes Jahr eine hochkarätige Band spielt und mehrere Tausend Menschen aus Nah und Fern anreisen) dreht sich alles um die Musik, die Menschen und die Motoren, die wir lieben. Dazwischen muss natürlich noch Zeit gefunden werden, um Kundenaufträge, wie vor kurzem beispielsweise eine mehrtätige Reise nach Österreich zu Würth für ein HotRod Shooting unter zu bringen oder sich einfach mal mit Freunden zu treffen.

In der Gesamtmenge sprechen wir hier von mindestens einem Großevent pro Monat und etlichen kleineren zwischendurch! Zu den szenetechnisch und persönlich empfunden wichtigsten Events gehören hier definitiv die schon erwähnte Tattoo Ink Explosion, die Kustom Kulture Forever, das Thunderbike Jokerfest und das With Full Force Festival, um nur ein paar wenige zu nennen!

Gut, der Begriff „Jetset“ ist vielleicht etwas hochgegriffen, da wir nunmal nicht von Monaco nach Nizza und über New York nach London jetten, aber wir reißen dafür mit unseren treuen Fahrzeugen und dem ein oder anderen Flugzeug so einige Kilometer runter. Und auch wenn sich das vielleicht teilweise so liest, als würde ich mich beschweren, ja wir haben Spaß! Jede Menge sogar! Ich musste für mich feststellen, dass ich lieber das halbe Jahr on the road bin, als 365 Tage im Jahr im Hamsterrad zu rennen. Wir werden oft gefragt, warum wir uns das antun, denn zugegebenermaßen kommt man gegen Ende der Saison an die Grenzen seiner Belastbarkeit, man sieht seine Freunde in den Sommermonaten seltener als gewünscht und Privatsphäre ist selten, aber was wir bis dahin erlebt haben, die Leute, die wir getroffen haben, die Freundschaften, die entstehen und die Aussicht auf einen ruhigen Winter schaffen es in letzter Instanz immer noch, uns ein breites Grinsen in’s Gesicht zu zaubern und schon von der nächsten Tour zu träumen.

Dirk shooting in Berlin with Sascha Boss Hoss

Gelernt haben wir, dass wir uns (nicht zuletzt auch wegen dem Kind) Brücken bauen müssen. Auszeiten, die nur für uns drei sind, sonst kommt früher oder später irgendwer unter die Räder! Auch wissen wir, dass dieses Leben anders laufen wird, sobald Q in die Schule geht, aber schon als ich schwanger war meinten viele, dass wir ja jetzt ruhiger werden würden…mit Kind und so…da könne man so einen Lebenswandel ja gar nicht mehr betreiben! Ich kann Euch sagen: Es ist alles eine Frage des Willens und der Organisation. Gepaart mit dieser Prise Glück, ein wundervolles, entspanntes Kind zu bekommen. Eines der schönsten Komplimente, die wir in den letzten Jahren bekommen haben war „Ihr seid das beste Beispiel dafür, dass das Leben mit einem Kind nicht zu Ende ist!“ (Neben dem Kompliment meiner Mutter in meinen Mitt-Zwanzigern, dass sie stolz auf mich ist, weil ich mich nie um Trends gekümmert habe 😉 )

Wir sind rastlos und froh, dass wir dieses Fernweh mit unserem Beruf verbinden können. Der Lohn ist – neben dem Lebensunterhalt – mit Sicherheit, Freunde auf der ganzen Welt zu haben und nie aus zu lernen. „Home is where the heart is“ ist meist unsere Devise, auch wir immer wieder gerne in unser richtiges Zuhause zurückkehren.Chillin with Lucky Lola

Ich freue mich darauf, Euch in Zukunft an dieser Stelle neben anderen Themen, die mich beschäftigen, öfter mal von unseren Ausflügen zu berichten. Bis dahin, denkt immer daran: „Not all who wander are lost“

 

Autor: Jessica Hierschbiel

Bilder: Dirk Behlau und friends from all over the world